Rückblick zum HeinEcomp-Symposium
Sowohl Projektleiter Prof. Stephan Olbrich, als auch der neue Prorektor für Lehre und Studienqualität Prof. Ullrich von Alemann begrüßten beim ersten Düsseldorfer HeinEcomp-Symposium am 29.1.2009 die zahlreich erschienenen Mitarbeiter der geförderten eLearning-Projekte, sowie weitere interessierte Dozierenden und Studierenden im Hörsaal 2B. Von Alemann betonte dabei die Relevanz von E-Learning für die Qualität der Lehre und rief dazu auf, sich gemeinsam an dem Wettbewerb "Exzellente Lehre" (veranstaltet vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz) zu beteiligen. Auch im Hinblick auf einen erfolgreichen Lehr-Exzellenz-Antrag wünschte er dem Projekt HeinEcomp viel Erfolg.Mandls Konzept als Vorbild
Prof. Heiner Barz, Leiter der Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement, stellte den prominenten Gastredner Prof. Heinz Mandl (LMU) als einen der einflussreichsten deutschen E-Learning-Pioniere vor. Die von Mandl vertretene Verbindung fallbasierter und handlungsorientierter Hochschuldidaktik mit den Möglichkeiten virtueller Seminare wirkt weit über die virtuelle Hochschule Bayerns hinaus, so z.B. auch an der HHU in Düsseldorf.
85 Teilnehmer in Hörsaal 2B, Videoaufzeichnung der Keynote "Video-Lectures in der Lehre"
Vorlesung nicht tot zu kriegen
Dass
Lernen und Lehren immer auch etwas mit anschaulicher Darstellung zu tun hat,
zeigte im Anschluss Keynote-Sprecher Mandl, indem er die konstruktivistische
Lerntheorie anhand einiger Bilder aus dem Buch "Fisch ist
Fisch" von Leo Lionni erläuterte.
Die Bildergeschichte vom Fisch und seinem Freund Frosch bringt die konstruktivistische Grundüberzeugung exakt auf den Punkt: Fisch und Frosch leben zunächst einträchtig in ihrem flüssigen Biotop. Nachdem jedoch der Frosch sich auf Wanderschaft außerhalb des Wassers begeben hat und nach seiner Rückkehr dem Fisch von seinen Abenteuern berichtet, passiert das Unvermeidliche: Als der Frosch seine Begegnung mit Vögeln schildert, entsteht in der Vorstellung des Fischs das eigentümliche Gebilde des gefiderten Fischleibs. Der Fisch, der noch nie einen Vogel gesehen hat, aber etwas von Federn und Flügeln hört, integriert die neuen Informationen zwangläufig in die Vorstellungen, die ihm bekannt sind. Er konstruiert sein Weltwissen neu, indem er Neues an vorhandene Anschauungen angliedert. Weiter entstehen so gehörnte Fische - der Frosch hatte von Kühen berichtet - oder Fische im Anzug mit Hut auf dem Fischkopf, weil der Frosch auch Menschen begegnet war. Mehr zu diesem Vortrag erfahren Sie in der Video-Lecture.

Screenshot der Seite 27 in der Video-Lecture der Keynote "Video-Lectures in der Lehre" (Prof. Mandl)
Genau um eine solche anschauliche Darstellung ging es beim gesamten Symposium. Wenn schon die gute alte Vorlesung nicht tot zu kriegen ist - die laut Mandl schon Schleiermacher und Fichte vor über 100 Jahren als rein rezeptiv und langweilig kritisierten - dann kann mit dem "trojanischen Pferd" E-Learning vielleicht eine andere, sinnvollere Form des Lehrens und Lernens Einzug in die Vorlesungen halten. Denn die Notwendigkeit der Planung von E-Learning-Veranstaltungen macht auch sensibel für didaktische und konzeptionelle Erfordernisse.
Mandl unterschied vier Formen der Video-Lecture:
Ergänzung um
Videoaufzeichnungen (additiver Einsatz): Mit dieser Wissensressource
wird Studierenden beim Nachbereiten der Veranstaltung geholfen. Man kann
offene Fragen klären, das nachschauen, was man im Leistungstief am Morgen
verpasst hatte und sich letztlich in der Präsenz-Vorlesung stärker auf das
Zuhören statt auf das Mitschreiben konzentrieren. Direkt in das Vorlesungskonzept
integrierte Video-aufzeichnungen (integrativer Einsatz): Hier werden Inhalte der Präsenzveranstaltungen und der Online-Phasen miteinander verzahnt. Manches kann besser online, anderes besser vor Ort vermittelt werden. So bleibt bspw. für Vertiefungen in der Präsenzveranstaltung mehr Zeit. Dieser Ansatz fand sich auch bei den Projektvorträgen aus der Urologie und der Germanistik (Mündlichkeit) wieder. Kompletter Ersatz von Präsenzveranstaltungen durch Videovorlesungen (substitutiver Einsatz): Ein Modell, das Mandl selbst nicht favorisiert und welches auch in Düsseldorf nicht zum Einsatz kommen wird, wie Projektleiter Prof. Olbrich in seiner Einleitung betonte. Aufzeichnung von Präsenzveranstaltungen einschließlich der Studierenden-Dozierenden-Interaktion: Gegenüber "steril" im Studio ohne Publikum aufgezeichneten Lehrvideos bieten Aufzeichnungen der realen Veranstaltung ein deutliches Plus an Lebensnähe und Spannungsmomenten. Dieser Ansatz wird z.B. beim geförderten E-Learning-Projekt der Informationswissenschaft (Prof. Stock) realisiert. Bei seinen Ausführungen hob Mandl stets die Bedeutung des konstruktivistischen Lehransatzes (Wissen wird nicht übermittelt, sondern der Lernende konstruiert es neu) und die Bedeutung einer teletutoriellen Betreuung von E-Learningveranstaltungen hervor.
Über ein Dutzend Projekte als Poster
Nach dem Vortrag des Bildungsexperten lud Prof. Ulrich Decking (Leiter des HeinEcomp-Teilprojektes Anreizsyteme) zu einer Posterpräsentation, bei der ein reger Austausch über mehr als ein Dutzend E-Learning-Projekte an der HHU stattfand.

Posterausstellung
Video-Lectures
Einige zum Themenschwerpunkt Video-Lectures ausgewählte Projekte wurden zusätzlich in Kurzvorträgen präsentiert. Hier wurden technische, methodische und auch studienordnungsbedingte Probleme besprochen und Lösungsansätze diskutiert. Deutlicher Konsens war, dass E-Learning nicht alle anderen Lehrszenarien ablösen will. Immer wieder wurde auf Medienmix gesetzt und z.B. zusätzlich zu Papier und Bleistift gegriffen (Lernheft in der Germanistik bei Dr. Pabst-Weinschenk, Checkliste zum Abheften im Bereich Gesellschaftsrecht bei Dr. Beurskens).Ähnliches hatten auch Vertreter der Fern-Universität Hagen auf der Tagung eLearning an NRW-Hochschulen – Services und Kooperationen in Duisburg berichtet. In der Urologie (Prof. Albers) soll der Präsenzveranstaltungen vorbereitende Einsatz von Video-Lectures eine intensivere Diskussion über Praxis-Beispiele ermöglichen. Gesellschaftsrecht wird in einem E-Learning-Angebot des Juristen Dr. Beurskens spielerisch motivierend vermittelt (Law-Stars sammeln/Bestenliste, Lerninhalte selbst überarbeiten). Die Präsentation dieses Beispiels begeisterte das Publikum mit seinen zahlreichen Gimmicks, erst recht, als klar wurde, dass hier ein E-Learning-Tool mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet wurde, das hohe Ansprüche an Layout wie Funktionalität erfüllt – und das alles in Eigenarbeit eines einzelnen engagierten Dozenten. Dass sich Dr. Beurskens dann auch noch als Anhänger der Open Source-Community outete, dürfte dazu führen, dass diese interessante Lernplattform bald auch in anderen Fächern zum Einsatz kommen wird. Zum Abschluss wurde das neue E-Learning-Portal der Heinrich-Heine-Universität präsentiert, das unterschiedliche E-Learning Lernplattformen und Subsysteme integriert. Dass das Thema Video-Lectures auch an anderen Hochschulen stark diskutiert wird, können Sie dem Blog-Eintrag von Prof. Dr. Gabi Reinmann, (Universität Augsburg) entnehmen: http://medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de/denkarium/?p=696 In Kürze finden Sie weitere Informationen zu den einzelnen geförderten Projekten hier auf dieser Webseite. Die Kriterien für die neue Ausschreibung zur Förderung von E-Learning-Projekten aus Mitteln des Projektes HeinEcomp wird voraussichtlich im März auf der HeinEcomp-Seite veröffentlicht.

Robert Monser im Interview zum Webportal
Das Symposium bot interessante Anregungen für neue Projekte. Bei Beratungs- und Schulungswünschen helfen Ihnen die Mitarbeiter der Teilprojekte Anreizverfahren, Integration in die Lehre und Kompetenzvermittlung und Support gerne weiter.
Samstag, 28. 01. 2012
Heinrich-Heine-Universität, Universitätsstr.1, 40225 Düsseldorf,
0211/81-00
Verantwortlich für den Inhalt: Prof. Dr. Decking
Letzte Änderung: 15.03.2011, 20:34
0211/81-00


